Ein amerikanischer Horrorfan, der 35-jährige Tyler Lut, beschloss, die Erinnerung an den „Schlächter von Plainfield“ – den berüchtigten Serienmörder und Leichenfledderer Ed Gein – auf seinem Bein zu verewigen. Das monumentale Porträt, das sich über 60 Zentimeter (2 Fuß) über die Vorderseite seines Schienbeins erstreckt, wurde am 16. Oktober aus einem Anflug von Inspiration nach dem Ansehen einer kürzlich erschienenen Netflix-Serie angefertigt. Als Tyler jedoch das Ergebnis stundenlanger Arbeit veröffentlichte, wiesen Social-Media-Nutzer sofort auf einen eklatanten Fehler hin: Anstelle von Ed Gein selbst blickte der Schauspieler Charlie Hunnam von seiner Haut.
Eine Ode an den Horror: Tattoos im Stil der Popkultur
Tyler Lut, ein Einwohner von Portsmouth, Ohio, ist bekannt für seine Liebe zum Makabren und „Gruseligen“. Die Idee, Ed Gein tätowieren zu lassen, kam ihm nach dem Ansehen einer Serie, die dem Leben des Mörders gewidmet ist, der als Prototyp für Kultfiguren wie Norman Bates („Psycho“) und Buffalo Bill („Das Schweigen der Lämmer“) diente.
Die Entscheidung für das Design fiel spontan. Der Künstler Danny Jones, der 12 Jahre Erfahrung in der Tattoo-Branche hat, bot ein kostenloses Horror-Projekt in den sozialen Medien an, und die Wahl fiel auf Tylers ungewöhnliches Angebot. Danny Jones bestand jedoch darauf, nicht ein historisches Foto des Verbrechers darzustellen, sondern sein Bild, das von der Popkultur geschaffen wurde.
Der Prozess, dieses monumentale Werk zu schaffen, dauerte sieben Stunden und war nach Tylers eigenen Angaben die schmerzhafteste Tattoo-Erfahrung seines Lebens. Wenn die Arbeit kommerziell ausgeführt worden wäre, hätte sie etwa 1200 US-Dollar gekostet.
Details der umstrittenen Handlung

Das von Danny Jones angefertigte Tattoo ist eine komplexe Komposition, die reich an Anspielungen auf die Akten von Ed Gein und seine filmischen Darstellungen ist:
- Zentrales Porträt: Eine großformatige Darstellung von Charlie Hunnam als Ed Gein aus der Netflix-Serie.
- Zweites Porträt: Eine kleinere Darstellung des Schauspielers, gekleidet in eine „Lederhaube“ – eines der gruseligsten Attribute von Geins realen Verbrechen.
- Unteres Element: Ein herausgerissenes Stück der Zeitung Wisconsin State Journal, der lokalen Zeitung von Plainfield, die über seine schrecklichen Taten berichtete.
- Beschriftung: Das Wort „monster“, das die düstere Atmosphäre ergänzt.
Jones erklärte, dass er, nachdem er vom Kunden „künstlerische Freiheit“ erhalten hatte, beschloss, sich auf ein visuell eindrucksvolleres und erkennbareres Bild aus den Medien zu konzentrieren, anstatt auf das ursprüngliche, weniger filmische Porträt von Ed Gein.
Reaktion der Community und ethische Dilemmata
Nach der Veröffentlichung eines TikTok-Videos, das über 600.000 Aufrufe und 23.000 Likes erzielte, löste das Tattoo eine hitzige Debatte aus. Die Nutzer spalteten sich in zwei Lager: einige bewunderten die Qualität der Arbeit, andere waren empört über ihren Inhalt.
Der Hauptgrund für die Verwirrung war, dass nicht ein echter Mensch, sondern ein Hollywood-Schauspieler für immer auf dem Körper eines Fans verewigt wurde. Kommentatoren wunderten sich: „Das ist seltsam. Aber einen Schauspieler statt des echten Ed Gein tätowieren zu lassen, ist doppelt seltsam“, und ein anderer bemerkte bissig: „Warum nicht einfach den Kerl selbst statt Jax Teller tätowieren lassen?“ (eine Anspielung auf Hunnams Rolle in der Serie „Sons of Anarchy“).
Eine tiefere Kritik befasste sich jedoch mit der ethischen Seite der Angelegenheit. Viele Nutzer sind der Meinung, dass die Verewigung realer Serienmörder auf dem Körper, unabhängig von ihrer Rolle im Horror-Genre, inakzeptabel und beleidigend für die Familien der Opfer ist.
Tyler Luts Position: „Pate des Horrors“
Tyler Lut bedauert seine Wahl trotz des Shitstorms absolut nicht. Er betrachtet Ed Gein als den „Paten des Horror-Genres“, dessen Verbrechen eine ganze Reihe von Kultfilmen inspiriert haben.
„Ich liebe dieses Werk absolut, und es ist mein liebstes Stück. Ich bereue es überhaupt nicht, dass Ed Gein jetzt auf meinem Bein ist“, sagte der 35-Jährige. Er teilte auch seine zwiespältige Sicht auf den Verbrecher:
„Ed Gein wurde missverstanden, er war sehr psychisch krank und niemand hat ihm geholfen, er war allein. Es ist einfach ein Unfall, und das ist traurig. Ich denke, wenn ihm jemand geholfen hätte, wäre er diesen Weg nicht gegangen.“
Tyler, der bereits plant, sein zweites Bein mit einer nicht weniger „makabren“ Handlung zu füllen, betont, dass ihm die Meinung anderer egal ist: „Die Leute können denken, was sie wollen. Ich bin mein eigener Herr, ich mag es, und das ist alles, was zählt.“
Expertenanalyse: Tattoo-Kultur, „Pop-Horror“ und Porträt-Realismus
In der modernen Tattoo-Kultur sind Porträts berühmter Schurken oder Horrorfiguren längst nichts Ungewöhnliches mehr. Der Fall Ed Gein und Charlie Hunnam zeigt jedoch eine wichtige Verschiebung im Genre der realistischen Tätowierung: den Übergang von historischer Dokumentation zu medialem Konsum.
Danny Jones, Tattoo-Künstler, bestätigt diesen Trend. Er stellt fest, dass viele Kunden vom Horror-Genre besessen sind und seine Arbeit oft darin besteht, „Popkultur“-Bilder zu tätowieren. Er besteht darauf, dass solche Tattoos lediglich eine Reflexion der Interessen des Kunden sind und keine Billigung von Gewalt.
„Normalerweise denke ich nicht über die Bedeutung der Tattoos nach, die Leute machen lassen. Kunden finden nicht, dass Mord gut oder cool ist; sie mögen einfach gruselige Dinge“, erklärte Jones.
Der umstrittene Trend des „Mord“-Tattoos
Tattoos, die realen Verbrechern gewidmet sind (sogenannte „Murderabilia“ auf der Haut), lösen immer heftige Debatten aus. Im Gegensatz zu fiktiven Schurken wie Freddy Krueger sind Ed Gein, Ted Bundy oder Jeffrey Dahmer reale Personen, deren Taten realen Schmerz verursacht haben. In der Tattoo-Community gibt es eine unausgesprochene Regel, an die sich viele Studios halten: keine Porträts von realen Serienmördern aus Respekt vor den Opfern anzufertigen.
Dennoch gewinnt dieser Trend an Fahrt, insbesondere bei Fans, die Verbrecher als düstere Ikonen der Massenkultur wahrnehmen, oft dank des Kinos und von Streaming-Diensten. Luts Fall ist einzigartig, da er nicht das authentische Bild, sondern seine Hollywood-Interpretation wählte. Dies unterstreicht, dass für den modernen Konsumenten von Tattoos die emotionale Verbindung zum Medienprodukt wichtiger ist als historische Genauigkeit.
Aus Sicht des Porträt-Realismus vereinfacht die Wahl eines Schauspielers anstelle einer realen Person die Aufgabe: Hunnam hat als professionelles Model klarere und dramatischere Gesichtszüge, die sich perfekt für ein detailliertes Schwarz-Weiß-Tattoo eignen. Der Künstler Jones, der ein beeindruckendes und technisch einwandfreies Porträt schaffen wollte, ging bewusst eine „faktische Ungenauigkeit“ ein, die jedoch vollständig dem Wunsch des Fans nach „Ed Gein dem Monster aus der Serie“ entsprach.
Tyler Luts Tattoo, datiert auf den 25. Oktober 2025, wird zweifellos in die Annalen eingehen als ein leuchtendes Beispiel dafür, wie die Popkultur die Geschichte neu schreibt, selbst wenn diese Geschichte in die Haut gemeißelt ist. Und obwohl viele Nutzer es als „seltsam“ und einige als „Klasse“ bezeichneten, ist eines offensichtlich: Dieses Werk ist ein meisterhaftes Porträt, das das höchste Talent von Danny Jones demonstriert, trotz seiner umstrittenen Thematik.